Home / Allgemeines / Briefe: Wo Worte noch zaubern dürfen

Briefe: Wo Worte noch zaubern dürfen

Wenn man in die Runde fragt, wer noch Briefe schreibe, bekennt sich höchstens einer von zehn Leuten zum klassischen Postweg. Für mich gehört auch dieses Thema in einen Kultur- Blog, Briefe sind ebenso Lyrik, Prosa oder ganz einfach Kunst, die mehr und mehr verloren geht.

Manch einer mag es für komisch halten, dass jemand der selber Online arbeitet und schreibt und auch für die Uni fast immer den Rechner einschalten muss, so entsetzt über diese Entwicklung ist.
Doch es schließt sich aus einem ganz einfachen Grund nicht aus:
Online schreiben, Emails versenden, bei Facebook aktiv Nachrichten verschicken und sogar berufliches dort zu klären, gehört inzwischen einfach dazu. Die Welt ist schnell und global vernetzt, wir ziehen für ein Studium oder einen Job ganz schnell mehrere Hundert oder Tausend Kilometer auseinander.
Bestellungen müssen am nächsten Tag da sein, Termine gemacht oder in letzter Sekunde abgesagt werden. Entscheidungen müssen schnell getroffen werden und persönlich entscheidet man sich am Ende eigentlich gar nicht mehr. Man hat ja immer die ganze Welt bei sich. Geht man auf die eine Party, kann man live per Handy, Twitter oder Facebook auf der anderen Party dabei sein.

Eine Bekannte nannte Facebook mal Segen und Fluch zu gleich: Man hält online Kontakt zu alten Freunden, die sonst vielleicht schon nach ein paar Monaten vergessen werden. Man erfährt wenn sie einen neuen Partner haben oder sieht die Fotos vom letzten Urlaub.
Während man sich per pn (Privat Nachricht) fragt, wie es denn so geht, schreibt man parallel noch mit zwei anderen Leuten und shoppt online neue Sommerschuhe oder sitzt auf dem Klo.
Bis zu einem gewissen Punkt ist das okay und macht das Leben einfacher, aber doch nicht bei Leuten die einem wirklich wichtig sind.

Online sein ist ein Muss- Briefe schreiben einfach Können.
Wie schön ist es handgeschriebene Briefe zu bekommen.
Wie schön wenn sich jemand die Zeit genommen hat. Sich mit Stift und Papier hingesetzt hat und seine Worte an mich überlegt hat.
Und dann die Vorfreude wenn man den Umschlag öffnet.
Manchmal liegt dem Brief dann noch etwas bei, eine Feder, ein Aufkleber oder ein Foto.
Ist es nicht ein wunderbarer Gedanke, dass wir einem Menschen eine ebenso große Freude machen können, wie sie uns manchmal am Briefkasten erwartet?
Genauso haben Liebesbriefe ihre ganz eigene Wirkung, meine erste große Liebe bewahrt meine immer noch auf.
Für solche Schätze kann man sich gar Schatztruhen auf die Kommode stellen.
Denn Briefe bieten zeitlos Platz für Großes und Zauberhaftes.
Auch mein Leben wäre so viel ärmer ohne meine Kiste voll mutiger, inspirierender, liebevoller, tröstender und hingebungsvoller Worte.
So einen Schatz wünsche ich jedem einzelnen.

About Annika

Mehr Freischaffend als Studierend- Mit Musik und Geschichten im Kopf- Lockenträgerin- Zeitungsleserin- Reisende- Zugfahrerin- Schwester-Tochter- Freundin- Kuchenbackende- InlineSkaterin- SerienJunkie- Bernard Pichon, Manfred Schmidt, John Irving & Rilke Fan- Indie Rockerin- Folk Träumerin- 1/4 Waliserin- Geschichtlerin- Musikliterat- David Gray- Eher Poetisch als Praktisch veranlagt- Philipp Poisels: Für keine Kohle dieser Welt

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*

For security, use of Google's reCAPTCHA service is required which is subject to the Google Privacy Policy and Terms of Use.

I agree to these terms.